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Warum HTML 5 rockt – und auch nicht

HTML5

HTML 5 ist eine der Säue, die in diesen Monaten des Jahres 2010 durchs digitale Dorf getrieben werden. HTML 5 bietet neue, faszinierende Möglichkeiten des Frontend-Developments, die einfache Websites schnell aussehen und wirken lassen wie komplexe Desktop-Applikationen. Ohne Frage ein Schritt in die Zukunft. Und eine Usability-Spielwiese ohnegleichen.

HTML 5 gibt auf subtile Art und Weise der Anti-Adobe-Anti-Flash-Haltung von Steve Jobs Futter, indem viele Einsatzgebiete von Flash, ganz vorneweg Online-Videoplaying, in Zukunft einfach nativ im Browser per HTML 5 ausgeführt werden können. Was Flash tendentiell bei wachsendem HTML-5-Einsatz ersetzbar machen kann.

Schöne neue Welt? Mal sehen. Wir erinnern uns an Aldous Huxley: “The unbelievable may very well happen: At some stage in the future sickness may have been completely overcome.” Was zu schön klingt, um wahr zu sein, ist es meist nicht. Es macht also Sinn, bei HTML 5 mal etwas hinter die Kulissen zu schauen.

Google ist einer der Treiber der Verbreitung von HTML 5, da Google Chrome HTML 5 massiv unterstützt. Da überrascht es nicht, dass Google eine Art Freizeitpark für HTML 5 aufgesetzt hat – unter dem selbstbewussten Namen “HTML 5 rocks“. Klingt nach Bon Jovi, lohnt jedoch wirklich einen Blick.

Zunächst mal liest sich die Liste an Features, die durch HTML 5 im Browser möglich werden, wie ein wahrgewordener Traum aller Usability-Experten:

  • Das enge Zusammenspiel von Javascript und CSS ermöglicht das gezielte Ansprechen von CSS-Elementen mit Javascript – mit weitreichenden Folgen für die dynamische Einflussnahme in Frontend-Designs
  • Clientseitiges Zwischenspeichern von Website-Inhalten (Textfelder u.a.) in Datenbanken (Web SQL Database) oder im Cache
  • Ansprechen des Caches im Offline-Modus – so werden Online-Anwendungen offlinefähig gemacht
  • Darstellen von Twitter Benachrichtigungen per einfachem JS-Code – Web 2.0 geht in die nächste Runde
  • Erweiterte Drag-and-Drop-Möglichkeiten im Browser
  • Geo-Lokalisierung und örtliche Identifikation von Nutzern
  • Neue semantische Tags für Navigation, Header, Footer u.a. ermöglichen eine noch bessere Gliederung und Verwaltung von Standard-Website-Elementen
  • Neue Formularfelder mit integrierten Validierungen für E-Mails, Zahlen, Telefonnummern
  • Neue Eingabefelder wie Schiebebalken (Range) und Suchfelder mit integrierter Search-History
  • Native Audio- und Videoplayer (Audio- und Video-Tag) machen Flash-Videoplayer überflüssig
  • Canvas ermöglichen die einfache Darstellung von Formen und Bildern – und deren Interaktion, wie das Durchwühlen eines Stapel von Fotos, wie die Website zeigt
  • Scalable Vector Graphics (SVG) ermöglichen weitreichende grafische Darstellungen, die bislang nur mit komplizierten Bildplatzierungen möglich waren, durch einfachen HTML-Code
  • Sinnvolle, neue CSS-Elemente, die oft auf Websites verwendet werden, wie unterschiedliche Zeilengestaltung (“row”) in tabellarischen Darstellungen
  • Erweiterte und weitreichende neue Möglichkeiten im Umgang mit Schriften im Browser wie Beschneiden von Text, mehrspaltigem Text per CSS, Schattierungen, Textrahmen, Transparenz von Text über Bildern oder Reflektion von Text
  • Objektanimationen, die mit einer Zeile CSS (“transisitions”, “transform”, “animation”) möglich werden

Google bietet auf der Website HTML5rocks.com neben Präsentationen vieler HTML 5-Features auch einen Spielplatz (“Playground”) an, eine Sandbox, in der neue HTML-Features, neue APIs und das Zusammenspiel von CSS mit den verschiedensten Browsern getestet werden können.

Die Nachteile von HTML 5 liegen in seiner Innovation begründet: Zwar unterstützen einige Browser wie Chrome, Firefox und Safari in den neuesten Versionen zwar schon HTML 5 – jedoch sehen die Ergebnisse oftmals seltsam unerwünscht aus. So kann Safari 4 einige der HTML5-rocks-Features nicht oder nur teilweise darstellen. Dies soll sich jedoch in der neuen Version 5 von Safari ändern.

Internet Explorer hat sich bislang ebenfalls extrem schwer getan mit HTML 5 und die neue Technologie so gut wie überhaupt nicht unterstützt. Der derzeit noch im Entwicklungsstadium befindliche Internet Explorer 9 soll dies ersten Testberichten zufolge jedoch wohl massiv ändern.

Auch bei der Einbindung von Videos überwiegen derzeit noch die Vorteile von Flash-Videos gegenüber HTML5-Videos: Viele Browser haben (noch) Probleme mit der Fullscreen-Darstellung, Internet Explorer unterstützt den <video>-Tag in seiner aktuellen Version gar nicht. Für die native Einbindung von Videos ohne Flash-Plugin werden derzeit auch nur die Codecs H.264 und Theora unterstützt – die jedoch gleichzeitig die derzeit zukunftsträchtigsten Codecs darstellen. Livestreaming per <video>-Tag wird derzeit nur von Safari unterstützt – ein weiteres Manko, das für die Akteptanz von Videos per HTML 5 mit ausschlaggebend sein dürfte. Insgesamt gibt es also auch hier noch einen weiten Weg zu gehen, bis Videos nativ im Browser zu einer weltweit akzeptierten Lösung werden.

Dennoch wird mit den neuen Möglichkeiten von HTML 5 der Weg aufgezeigt, den Web-Applikationen in Zukunft gehen werden. Bis jedoch alle Browser soweit sind und HTML 5 in seiner Fülle nativ unterstützen und weltweit Frontend-Entwickler die Möglichkeiten konsequent einzusetzen vermögen, wird voraussichtlich noch eine ganzes Quäntchen Zeit ins Land gehen.

Es bleibt also spannend. Der Entwicklungsstand der Browser und deren Releasezyklen zeigen, dass sich in 2010 eine Menge tut, um HTML 5 aus dem Laufstall zu verhelfen – und erfolgreich auf die Straße zu setzen. Und da die gerade erwähnte Zeit im Internet durchaus ihre eigenen Regeln hat, ist davon auszugehen, dass 2010 noch einiges zu HTML 5 in petto haben wird. Man darf also weiter gespannt sein.

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