A weblog by pogrzeba*net

Innenministerium veröffentlicht umfassende Studie zum Thema Identitätskriminalität

Identitätskriminalität

Das Bundesministerium des Innern (BMI) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) haben heute eine ausführliche Studie zum Thema Identitätsdiebstahl und -missbrauch vorgelegt. In der mehr als 400 Seiten umfassenden Publikation, die in Zusammenarbeit mit der Ruhr-Universität Bochum und der Universität des Saarlandes entstanden ist, geht es vor allem darum, Szenarien des Identitätsdiebstahls und -missbrauchs technisch und rechtlich zu beleuchten, darüber hinaus Szenarien zukünftiger Angriffe zu beschreiben – und daraus Empfehlungen und mögliche Maßnahmen für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft abzuleiten.

Die Studie steht für einen Zeitraum von zwei Wochen auf der BSI-Website kostenfrei zum Download bereit. Danach soll die Publikation in gedruckter Form erscheinen.

Heise Online schreibt dazu:

Wesentliche Erkenntnisse der Studie sind, dass neben den Daten für Online-Banking-Zugänge auch solche für E-Mail, Packstationen, Auktions- und Handelsplattformen sowie für Social-Network-Plattformen abgephisht würden, wobei die Angreifer in der Mehrzahl Trojaner benutzten. Diese gelangten über Schwachstellen in Software auf den PC und seien in der Lage, auch “fortgeschrittene aktualisierte technische Abwehrmaßnahmen” zu umgehen. Als Gegenmaßnahmen empfiehlt die Studie die Installation von Virenschutzprogrammen und Firewalls sowie regelmäßige Updates des Betriebssystems und der Anwendungen. Notwendig sei zudem eine umfassende Aufklärung der Internetnutzer.

Die Studie entstand auf Initiative des BMI, da bislang eine systematische Analyse der gesamten von den Tätern eingesetzten Angriffsmethoden gefehlt habe, so dass keine verlässlichen Prognosen zur weiteren Entwicklung dieser Kriminalitätsform abgegeben werden konnten. Dieser Zustand hat sich nach der Studie allerdings nicht verbessert. “Für die Zukunft wird prognostiziert, dass Identitätsdiebstahl und -missbrauch noch nicht absehbare Formen annehmen werden, da neue Techniken und Plattformen immer neue Angriffsszenarien ermöglichen”, so das BMI in seiner Zusammenfassung.

Ebenso habe es bislang an einer umfassenden Untersuchung der straf- und zivilrechtlichen Bewertung der Angriffe und ihrer Folgen gefehlt. Diese Lücke soll die Studie nun schließen. Das Dokument entstand unter Mitarbeit von Prof. Dr. Georg Borges von der Ruhr-Universität Bochum, Prof. Dr. Carl-Friedrich Stuckenberg von der Universität des Saarlandes sowie Prof. Dr. Jörg Schwenk und Dr. Christoph Wegener (beide von der Ruhr-Universität Bochum).

Die Studie ist nicht nur als State-of-the-art-Überblick zum Thema Datenkriminalität eine sinnvolle Lektüre, sondern bietet darüber hinaus einen interessanten Blick, mit welchen Szenarien im E-Business und E-Government in Zukunft gerechnet werden kann. Ein umfassendes Nachschlagewerk für jeden, der ein wenig tiefer in die Trickkiste der Datenkriminellen blicken möchte – und nicht nur für Leute interessant, die sich professionell mit IT-Security beschäftigen.

Similar posts