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Das Internet der unprivaten Dinge

Es gibt viele trendige Buzzwords, Schlagwörter, die versuchen, den neuesten Hype in einen prägnanten Begriff, meist einen Anglizismus zu packen. Eines dieser Buzzwords, das seit Jahren schon von Nerdmündern zu Nerdohren getragen wird, ist Internet of Things, oder, entenglischt, das Internet der Dinge.

Gemeint ist mit dem Internet der Dinge die konsequente Vernetzung und Digitalisierung von Gegenständen des täglichen Lebens: Ob der Stromzähler, das Auto, der Kühlschrank, die Uhr, die Brille, die Zimmerbeleuchtung, die Lautsprecher, die Unterhose oder der Herzschrittmacher – alles soll per Online-Technologie vernetzt sein und so die einfache, personalisierte, ortsunabhängige und auch gerne automatisierte Steuerung beispielsweise per Smartphone ermöglichen.

Im Auto die neusten Stauinformationen und Produktupdates verfügbar haben? Die Highend-Anlage ohne fette Kabel, einfach per WLAN vom iPhone aus steuerbar? Mit der Google-Brille auf digital angereicherte Wanderschaft gehen? Auf der Armbanduhr die neusten Mails lesen können? All das sind Anwendungsbeispiele für das Internet der Dinge. Die Idee dahinter: Je mehr Dinge wir digitalisieren, desto freier, cooler, trendiger und ja, glücklicher werden wir.

Dass das möglicherweise ein Trugschluss ist, zeigt die aktuelle Diskussion um Googles neuesten Einkauf Nest, einen Hersteller von Thermostaten und Rauchmeldern. Warum kauft Google Haushaltsgeräte, werden sich manche fragen? Die Antwort: Es sind keine normalen Haushaltsgeräte. Sie sind a. im coolen Apple-Design (Nest-Gründer Tony Farell kommt von Apple und trug dort einiges zum Design von iPod und iPhone 1 bei) und sind b. vernetzt, das heißt sie haben eine IP-Adresse, sammeln Gebrauchsdaten und können diese an den Hersteller zurücksenden. Was will also Google, der Konzern, der sich die vollständige digitale Durchdringung unseres Lebens auf die Fahne geschrieben hat? Will Google uns in unserem Schlafzimmer überwachen, wie der Spiegel titelt? Daten darüber sammeln, wann wir zuhause Couchpotatoes spielen und wann wir auf den Kanaren überwintern? Wie behaglich wir es gerne haben? Wie lange wir im Schlafzimmer sind? Es geht um die digitale Öffnung von Privathaushalten. Das, verbunden mit der aktuellen Datenschutzdebatte rund um NSA, lässt bei manchem die Datenschutz-Alarmglocken schrillen.

Interessant dabei finde ich, dass das Internet der Dinge – ein sich über den Browserrand in unser Leben ausbreitendes Internet – das bisher über die letzten Jahre ein gehyptes und positiv besetztes Buzzword war, sich scheinbar wandelt: Gemessen an der heutigen Berichterstattung über den Google-Deal wird das Internet der Dinge nur zum einen Teil mit mehr Freiheit, Coolness, Fancyness assoziiert – sondern zum anderen mit einem gleichzeitig einhergehenden Schwund an Privatheit und Datenschutz in diesen Lebensbereichen. Die Digitalisierung und Vernetzung unseres Lebens – scheinbar unaufhaltsam auf dem Weg in Richtung Missbrauch und Datenüberwachung.

Oder, andersherum gesprochen: Alle Lebensbereiche, die irgendwann unvernetzt verbleiben, sind dann möglicherweise die letzten Bastionen der Privatheit. Alles andere, verbunden mit dem Internet, ist unprivat.

Das Internet der unprivaten Dinge.

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