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Happy birthday, iTunes!

Vor 10 Jahren, am 28. April 2003, brachte Apple den iTunes Store an den Start. Wir gratulieren herzlich und freuen uns über die gelungene nachhaltige Digitalisierung des Geschäftsmodells Musik.

Dass die Veröffentlichung des iTunes Store ein historischer Moment war, war damals noch nicht so absehbar – schien es doch zunächst nur ein weiterer Online-Shop zu sein, über den nur eben neuerdings Musik verkauft wurde. Steve Jobs jedoch sah das damals anders – und er sollte recht behalten:

It will go down in history as a turning point for the music industry. This is landmark stuff. I can’t overestimate it! […] With the introduction of the new iTunes Music Store we’ve now built the first real complete ecosystem for the digital music age.

[Steve Jobs, 2003]

Im Rückblick scheint der Start des iTunes Store wirklich ein besonderer Moment gewesen zu sein, wenn man sich die Entwicklungen in der digitalen Musikwelt vor und nach 2003 anschaut:

Die digitale Musikwelt vor dem iTunes Store (vor 2003)

  • Seit den 80er Jahren ist die CD der Datenträger Nummer 1 für Musik
  • Das Internet scheint prädestiniert zu sein für die digitale Distribution von Musik – alle technischen Voraussetzungen sind geschaffen, um die Musik vom physikalischen Datenträger zu lösen und einfach digital verfügbar zu machen
  • Napster und andere Peer-to-Peer-Lösungen sind die einzigen Plattformen, über die man im Internet Musik bekommen kann, legale Lösungen sind weit und breit nicht in Sicht. Dass die P2P-Downloads größtenteils illegal sind, ist ein lästiger, aber allgemein akzeptierter Nebeneffekt
  • Die Musikindustrie befindet sich in einer Schockstarre – das Internet als Distributionsweg wird verteufelt, man strebt keine Lösung abseits der CD an und kriminalisiert statt dessen global die eigenen Kunden
  • Man besitzt Musik ausschließlich haptisch: CD-Regale von Ikea türmen sich in den Wohnungen dieser Welt bis zur Decke; Vinyl ist so gut wie tot
  • Man hört in erster Linie Alben, einzelne Songs auf CD-Singles, oder brennt sich CD-Sampler

Die digitale Musikwelt seit dem iTunes Store (nach 2003)

  • Der iTunes Store bietet einen immens wachsenden Katalog von Musik zum einfachen legalen Download
  • Nichtsdestotrotz wird iTunes das Kundenbindungsmittel Nr.1 bei Apple – was Apple einen nachhaltigen Ruf als kompromisslosen Datenkraken einbringt.
  • Die Musikindustrie scheint einen Weg gefunden zu haben, im Internet Geld zu verdienen; die krampfartige Anti-Online-Haltung nimmt nach und nach ab
  • Nach und nach wird mit DRM (Digital Rights Management) geschützte digitale Musik wieder frei kopierbar gemacht – zu groß ist die Gegenwehr von Kunden, die ihre gekaufte Musik aufgrund schlechter technischer Umsetzung von DRM nicht nutzen können
  • Musik wird so transportabel und global wie alles um uns herum: Die körperlose Musik, die Loslösung der Musik vom Datenträger der CD, erlaubt es, die komplette Musiksammlung überall dabeizuhaben
  • Durch iTunes und die Möglichkeit, jeden Song eines Albums einzeln herunterzuladen, rückt das Konzept Album stärker in den Hintergrund, und Songs in den Vordergrund – was Auswirkungen auf die Länge und dramaturgische Gestaltung von Alben hat
  • Die körperlose Musik und die Bedürfnisse, die damit einhergehen, führen dazu, dass der haptische Besitz von Musik, ob mit oder ohne Datenträger, immer weniger wichtiger wird gegenüber der Möglichkeit des Permanentzugriffs. So ist es nur logisch, dass immer mehr Abo-Modelle entstehen, bei denen man Musik nicht mehr besitzt, sondern leihweise im Abo zugreifen kann. Spotify & Co treten ihren Siegeszug an.

Wir sagen Happy Birthday, feiern den geschichtsträchtigen Moment – und freuen uns, bei den spannenden Entwicklungen der Entkörperlichung und des Nicht-Mehr-Besitzens von Musik (und Filmen – die Entwicklung geht in die nächste Runde) weiterhin dabei zu sein…

Ach, übrigens: Auch Steve Jobs hatte mal unrecht: Im Interview in 2003 sagte er über Subskription Services von Musik:

Well, they’ve failed. They’ve completely failed. Nobody wants to rent their music. They have hardly any subscribers.

Ich kündige schonmal prophylaktisch für Oktober 2018 an: Happy Birthday, Spotify!

iTunes Store – Zahlen und Fakten

  • Die iTunes Revenues im ersten Quartal 2013 sind mit 4 Milliarden Dollar 30% höher als die 2012 Q1 Revenues
  • Mehr als 45 Milliarden Apps wurden downgeloaded – 800 jede Sekunde
  • Mehr als 9 Milliarden Dollar Payments an Entwickler
  • 35 Millionen Songs sind im iTunes Store in 119 Ländern verfügbar, zum Start in 2003 waren es gerade mal 200.000
  • Pro Tag verkauft Apple rund 34 Millionen Songs – das sind 393 Songs pro Sekunde
  • 70 Millionen Apps werden jeden Tag downlgeloaded

Apple itunes store facts and figures

Quellen:
Wikiquote
Technologizer
Asymco
Spiegel

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